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Jahrgangsbericht 2011

SEIT JAHRHUNDERTEN: DIE MAGISCHEN "ELFER" JAHRGÄNGE
ERNTEBERICHT 2011 AUS HOCHHEIM

Seit Jahrhunderten ist die "Elf" eine magische Jahreszahl für herausragende Jahrgänge: Den 1811er, wegen des berühmten Kometen als "Kometen-Wein" bekannt, hatte schon Goethe als "Eilfer" gepriesen, der 1911er galt als der beste des letzten Jahrhunderts und mit dem 2011er folgt der nächste spektakuläre "Elfer".

In der Chronik meines Weinguts wurde seit 1780, also seit über 230 Jahre, keine Weinlese vor dem Oktober aufgezeichnet; auch ich selber, derzeit in meinem 80. Lebensjahr, erinnere mich an keine Rieslinglese im September, sondern meistens Mitte/Ende Okober oder sogar bis November nach dem ersten Schnee. Aber in diesem Jahr 2011 war die Reife soweit fortgeschritten, daß wir schon Mitte September mit der selektiven Handlese beginnen mußten, etwa drei Wochen früher als normal. Im Frühjahr hatte die Vegetation schon früh begonnen. Es folgten wunderbar warme und trockene Wochen im Frühsommer, allerdings gefolgt von extremen Regenfällen im August, aber einem "happy end" mit sonnigen, trockenen Wochen und kühlen Nächten im September. In diesem Klima reiften die Trauben im "Turbo-Tempo". Verbreitet wurden die Beeren von Botrytis - der berühmten Edelfäule - befallen. Sie beschleunigte die Verdunstung der Flüssigkeit und ließ die Beeren schrumpfen und durch die natürliche Reduktion wurden Zucker, Aromen und Mineraliät konzentriert.

Im Ergebnis war die Weinernte 2011 in Hochheim zwiespältig: Große Mengenverluste, daher nur etwa 2/3 einer Normalernte, aber andererseits übetrifft die Qualiät alle Erwartungen: Der weitaus größte Anteil der Ernte liegt analytisch mit 100° Öchsle und darüber im Spätlese/Auslesebereich. Dank einer sehr sorgfältigen selektiven Handlese konnten wir sogar TBA mit bis über 200° Öchsle ernten.

Nun, gegen Ende der Gärung, duften und schmecken die Jungweine delikat, mit einer Überfülle an Bouquettstoffen von exotischen Früchten, gleichzeitig kristall-klar mit frischen Aromen und eleganter Säure. Der Jahrgang 2011 scheint die Jahrhundertregel der magischen "Elfer" zu bestätigen. Auch dieses Jahr zeigt, daß unsere Werkstatt als Winzer ebenso wie der Landwirte unter freiem Himmel liegt und wir dem Wechselspiel der Natur ausgliefert sind. Moderne Technik und menschliche Mühsal können nur versuchen, das Beste aus den Geschenken der Natur zu machen. Ich bin zuversichtlich, daß wir in 2012 unseren Weinfreunden wieder einen köstlichen Hochheimer Riesling anbieten können.

Domdechant Werner'sches Weingut
Inhaber: Dr. Franz Werner Michel
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